"Blut muss fließen"

Am Montag, den 11.11., wurde mit unserer Unterstützung der folgende Film im Gladhouse präsentiert:
 
"Blut muss fließen - Undercover unter Nazis"
 
Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Skinheads toben und die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als
Thomas Kuban zum ersten Mal ein Neonazi - Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblicke in eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender hineinwagt. Sechs Jahre später hat er
rund vierzig Undercover-Drehs hinter sich, auch in Ländern jenseits deutscher Grenzen. Ein Lied begegnet
ihm auf seiner „Konzerttournee“ immer wieder: „Blut muss fließen knüppelhageldick, wir scheißen auf
die Freiheit dieser Judenrepublik...“. Hochbrisant ist das Material, das Thomas Kuban im Lauf der Jahre
zusammengetragen hat - einzigartig in Europa, wahrscheinlich sogar weltweit.
 
Mit Rechtsrock junge Menschen zu ködern und zu radikalisieren – diese „Masche“ zieht: Laut einer Studie ist der Rechtsextremismus in Deutschland zur größten Jugendbewegung geworden. Längst hat sich
rund um die Musikveranstaltungen auch ein blühender Markt entwickelt: CD’s der einschlägigen Bands
werden in Eigenregie produziert und in Szeneläden oder über das Internet verkauft. Mit rechtsextremen
Merchandising – Artikeln ist das nicht anders. Auf diese Weise wird zugleich Geld für die Expansion der
„Bewegung“ generiert.
 
Der Journalist Thomas Kuban hat all das mit versteckter Kamera dokumentiert und ist dabei ein hohes
Risiko eingegangen. In keinem Verhältnis dazu steht das Interesse der Öffentlichkeit an seinen Bildern.
Besonders deutlich wird dies bei der erfolglosen Suche nach Unterstützung für ein Filmvorhaben, von
dem er sich große Wirkung verspricht: Eine Reise durch Deutschland und Europa, zurück auch an Orte,
an denen er versteckt gedreht hat. Im Fokus stehen dabei politische Entscheidungsträger, Behörden und
Bürger. Thomas Kuban versucht so Antworten zu finden auf die Fragen: Warum kann auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden und wie lässt sich das verhindern?
 
Der Autor Peter Ohlendorf hat Thomas Kuban auf seiner Reise mit der Kamera begleitet. Diesen Beobachtungen sind Sequenzen des Undercover-Materials gegenübergestellt. In den Dokumentarfilm sind quasi
fiktionale Elemente integriert, die sich aus Sicherheitsgründen ergeben: Der Protagonist des Films muss
unerkannt bleiben, sein Name ist folglich ein Pseudonym. Die eigenwillige Verkleidung dient nicht nur
seinem Schutz, sondern thematisiert in ihrer Überpointierung zugleich die Rezeption seiner Person durch
die Gesellschaft. Auch die Stimme von Thomas Kuban wird unkenntlich gemacht. Die Sprachebene ist
analog zur Verkleidung frei entwickelt, sie orientiert sich aber an seiner realen Identität und hält sich
streng an Fakten.